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Weekend!

So, die erste Woche habe ich ueberstanden!

Am Montag gehe ich zum ersten Mal nach Cottenham, an die andere Schule, wo ich arbeite. Wenn es aehnlich wie Swavesey ist, dann ist es ein Strassenkaff mit wenigen Bauernhoefen am Rande, so ein bisschen wie Muensingen.

 Ein 2M Migros sucht man aber in diesen Doerfern vergebens...

 Zum Glueck fahren die Busse nach Cottenham fleissiger, als nach Swavesey. Ich kann also hoffen, nicht stundenlang warten und mich von erbaermlich aussehenden Jugendlichen fuer "spare 50p" anbetteln lassen :p

 Am Samstag habe ich mir zwei Wohnungen/Zimmer in der Stadt angesehen. Fuer das erste Haus holte mich die Vermieterin mit dem Auto ab und wir begannen um circa 12 Uhr eine seltsame Unterhaltung, die erst um 4 aufhoerte, als ich ihr Haus wieder verliess.

Die Frau ist eine Kuenstlerin und alternativ, auf vielerlei Art. Sie ist wohl so um die 45 und lebt mit 2 anderen jungen Musikern/Studenten zusammen, an die sie Zimmer vermietet. Das Haus war alt und schmutzig, auf eine charmante Weise.

 Und die Frau selbst war ein Hippy. Nach kurzer Zeit schuetteten wir einander unser Herz aus, erzaehlten unsere Lebensgeschichte und umarmten einander weinend. Wir redeten ueber bornierte Menschen (sie nannte sie "anal", Alternativmedizin, Elementaffinitaet, Entscheidungen, sterbende Weltmeere und Kuenste aller Art, waehrend sie mir ein spaetes Fruestueck machte.

Sie sagte mir, dass dies hier nicht die richtige Wohnung fuer mich ist, dass sage ihr ihre Intuition. Sie half mir aber mit vielen Tips weiter, wo ich noch mehr Angebote finden wuerde... und ladete mich zum Aepfelpluecken auf dem Feld in ihrer Naehe ein.

Ich bin kein religioeser Mensch, aber ich wusste, dass diese Begegnung passieren musste. Es fuehlte sich richtig an, und es hat mir weitergeholfen. Ausserdem habe ich jetzt einen weiteren Menschen in dem U.K., neben Alex, dem ich vertraue.

 Es fing an zu regnen und wurde sehr windig, als ich das zweite Haus erreichte. Der Vermieter war ein Italiener aus der Region Napoli. Sein Apartement (flat in Englisch) war sehr klein, sehr alt und etwas dubios, in einem multi-ethnischen Viertel der Stadt. Etwas daran fuehlte sich nicht richtig an. Ich beschloss, mich bei der Wohnungswahl auf meine Intuition zu verlassen. Ausserdem sind 600 quid (Pfund in Slang) zu viel fuer was er angeboten hat.

Per e-mail habe ich aber mittlerweile eine Antwort auf eine andere Anfrage bekommen. Ein brandneues Flat, nicht unaehnlich dem, dass ich in Bern hatte. Es liegt in der Naehe des Hauses der Hippy-Tante (sie heisst Robin hehe) und kostet rund 500£ pro Monat. Bei meinem Lohn von 820£ sollte das drinliegen.

Etwas ist aber schade... der ganze Stress laesst mir wenig Zeit, um an Zuhause zu denken. Vielleicht fuehlt sich der eine oder andere von euch vernachlaessigt. Das tut mir leid. Ich bemuehe mich, mit euch allen wieder eine geschaeftige Datenpipeline zu etablieren, sobald sich die Dinge etwas beruhigt haben.

Ich vermisse euch. Habt eine gute Zeit, was immer ihr auch macht.

~Martin

1 Kommentar 5.10.08 19:54, kommentieren



A bit like home

Ich habe endlich eine Bleibe gefunden! Es ist eine 4-er WG, zwei Frauen und ein anderer Mann, alle arbeiten ganztags.

 Das Haus liegt in der multikulturellen Mill Road Gegend. Laut Martin, dem Mann meiner Mentorlehrerin, ist es "on the wrong side of the bridge", will heissen, in einem ehemaligen Armenviertel. Na ja... mit lokalen Stigmata kenne ich mich als Münsinger aus...

 Mein Raum hat eine anständige Grösse, ist voll möbliert und sauber. Internet wollen sie bis Ende diese Woche installiert haben (ganz wichtig!). Das schöne daran ist, dass zum Grundstück ein grosser Parkplatz und ein Rasen im Hinterhof gehört. Gleich dahinter schliesst die (wenig befahrene) Bahnlinie an. Fast wie zu Hause!

 Leider weiss ich so gut wie nichts über meine Mitbewohner, denn auch sie sind gerade erst eingezogen. Nächsten Samstag ziehe ich endgültig aus Julias und Martins Haus aus. Sie waren gute Gastgeber, und entgegen gängigen Klischees gute Köche!

 Martins Musikgeschmack ist mindestens ebenso eklektisch wie meiner. In der Zeit, als ich da war, liess er von Vivaldi bis Mogwai alles laufen. Er empfahl mir sogar eine obskure, wirklich gute Band, die seine Söhne hören. Sie nennt sich "Godspeed You Dark Emperor!", mit Ausrufezeichen!

 Langsam kenne ich mich in Cambridge aus. Ich verirre mich nur noch durchschnittlich einmal in drei Tagen. Hemmungen, jemanden nach dem Weg zu fragen, muss man hier absolut nicht haben. Cambridge ist eindeutig eine Touristenstadt.

Am Wochenende war ich fleissig mit den deutschen und französischen Assistenten im Ausgang. Da sind wirklich gute Leute darunter. Trotzdem... man sieht sich überhaupt nicht während der Woche. Mir fehlt das. Jemand, mit dem man alle Erfahrungen teilen kann. Für das muss halt Alex herhalten. Für ihn sind Anrufe ins Orange Netz gratis

Was mir jetzt noch zu meinem Glück fehlt, ist ein Velo. Ich hab' mich schon oft mit den Distanzen verschätzt, weil ich instinktiv die Karte von Bern als Massstab genommen habe... zu Fuss geht man schnell einmal eine halbe Stunde, um irgendwo hinzukommen.

Ueberhaupt quillt die Stadt fast über vor lauter Velos. Leider werden sie auch gern gestohlen und die Strassen sind nicht gerade ungefährlich. Schlaglöcher, enge Fahrspur, schlechte Beleuchtung bei Nacht... trotzdem. Ein Auto kommt nicht in Frage und zu Fuss läuft man sich gern einmal die Füsse wund!

 Die Schule läuft ganz okay. Obwohl ich nichts überstürzen möchte, würde ich gern auch etwas mehr machen, als immer nur die Fragen aus dem GSCE(Hauptschulabschluss)-Katalog in Kleingruppen abzufragen. Ich glaube, dass ist ein gutes Zeichen.

 

5 Kommentare 14.10.08 16:59, kommentieren

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